WP Darstellen und Gestalten


Ziel des Unterrichts im Fach Darstellen und Gestalten ist die Ausbildung von fantasievollen, kreativen und spielerischen Denk- und Handlungsstrukturen bei den Schülerinnen und Schülern. Sie sollen verschiedene künstlerisch-ästhetische Ausdrucksformen kennen lernen.


Nachfolgende vier Kompetenzen sind im Sinne eines spiralförmigen Curriculums das Fundamentum, welches mit zunehmenden Anforderungen mit jedem Jahrgang weiterentwickelt wird:

  • Entwickeln der affektiven und technischen Voraussetzungen zur Verwandlung
  • Schaffen der affektiven und technischen Voraussetzungen zur Präsentation
  • Fördern der Eigenverantwortlichkeit, Kooperationsfähigkeit und Teamfähigkeit
  • Erhalten und Fördern der Spielfreude

 

Grundlagen des Faches

Fächerübergreifend basieren die Grundlagen des Faches auf drei Bereichen:


Kreativitätsforschung – Kulturforschung – ästhetische Bildung.


Schulfachbezogen basiert das Fach auf den Didaktiken der Fächer Sport, Deutsch, Kunst, Musik.
An unserer Schule haben wir uns für einen theaterpädagogischen Schwerpunkt mit der entsprechenden Didaktik entschieden.

 

Ziele der körpersprachlichen Ausdrucksformen: Bewegungswahrnehmung und Bewegungsgestaltung.
Ziele der wortsprachlichen Ausdrucksformen: Gestalten und Umgestalten von Texten
Interpretierendes Sprechen
Kreativer Umgang mit Sprache
Ziele der bildsprachlichen Ausdrucksformen: Bildbetrachtung und Bildaufbau.
Die Wirkung von Bildern kennen lernen und anwenden können.
Kreatives Gestalten mit künstlerischen Mitteln.
Ziel der musiksprachlichen Ausdrucksformen: Bewusstes Hören und Erleben von Musik.
Kreatives Gestalten mit musikalischen Mitteln.

 

Methodisches Ziel

Es geht methodisch um die Erarbeitung und Durchführung von praktisch-kreativen Darstellungs- und Gestaltungsaufgaben.


Drei Säulen des Faches:

Es gibt drei wesentliche Säulen, die die Spezifikation des Faches ausmachen:


Projektorientierung – Präsentationsorientierung – Öffentlichkeitsorientierung.


Es gibt drei Unterrichtskonzepte, die eine besondere Bedeutung für das Fach haben:

 

Prozessorientierung – Teamorientierung – Produktorientierung.


Zusammengenommen ergeben sie die Projektorientierung des Faches. Methodisch wird dies mit metakognitiven Lernstrategien wie planen, analysieren, kritisch prüfen, bewerten, reflektieren oder regulieren erreicht; d. h. die von Kriterien geleitete Reflexion ist Bestandteil des Unterrichts.


Ziele im Bereich fachspezifischer künstlerisch-ästhetischer Kompetenzen:

Wir unterteilen nachfolgend in künstlerische und persönliche Kompetenzen. Beide Bereiche sind gleichwertig in der Schule zu unterrichten. Sie finden bei der Beurteilung gleichwertige Berücksichtigung. Die vier künstlerischen Grundkompetenzen sind wie folgt:


Darstellungskompetenz, Gestaltungskompetenz, Wahrnehmungskompetenz, Zuschauerkompetenz


Die Zuschauerkompetenz ist ein Spezifikum unserer Schule, da wir die Notwendigkeit einer Kompetenzentwicklung des Publikums erkannt haben. (Dieser Gedanke wird am Ende dieses Textes noch einmal deutlich. Die Fachkonferenz Darstellen und Gestalten hat eine Unterrichtsreihe erstellt, die in allen Klassen der Bertolt-Brecht-Gesamtschule im Fach OL durchgeführt werden soll.)


Ziele im Bereich persönlichkeitsspezifischer Kompetenzen:

Die Entwicklung der persönlichen Kompetenzen dient einerseits der Entwicklung und Förderung des ganzen Menschen und ist andererseits berufsvorbereitend. Wir gehen immer mehr davon aus, dass in verschiedensten Berufsfeldern kommunikative Kompetenzen jetzt und in Zukunft unverzichtbar sein werden.


Die Kompetenzen sind: Kreativität, Offenheit, Kommunikation, Persönlichkeitsstärke, Selbstbewusstsein, Ausdauer, Selbstdisziplin, Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, positive Enthemmung.


Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung:

Da Darstellen und Gestalten kein Fach in der Lehrerausbildung ist, anderseits den Status eines Hauptfaches in der Gesamtschule hat, sorgen die Lehrerinnen und Lehrer durch Fortbildungen (intern oder extern) für ihre Qualifizierung.
(Weitere Details dazu sind in den offiziellen Handreichungen des Landes Nordrhein-Westfalen nachzulesen.)


Die vier Fachbereiche:

Wir haben vier Fachbereiche mit unterschiedlichen Darstellungs- und Gestaltungsformen. Wir benutzen dabei verschiedene Ausdrucks- und Gestaltungsmittel. Teilweise gibt es fachliche Überschneidungen. Jeder Bereich hat eigene Gestaltungsmittel, Arbeitsformen, Ziele und Präsentationsformen. Jede unterrichtliche Erarbeitung oder jede Präsentation hat jeweils einen Schwerpunkt aus den vier Bereichen. Gleichzeitig können die anderen drei Bereiche in Kombinationen mit zum Einsatz kommen. Der fächerübergreifende Unterricht ist eine fachimmanente Arbeitsform.

Kategorie traditionell experimentell
Körpersprache   Pantomime Lebende Bilder
Bewegungsimprovisation
Tanzimprovisation
Sprache und Bewegung
Musik und Bewegung
Wortsprache Lesung
Vortrag
Hörspiel
Sprechgesang
Lautmalereien
Text-Bild-Kombinationen
Musiksprache Lieder
Singspiele
Musicals
Konzerte
Instrumentalstücke; Geräusche; Klangteppiche
Musik-Bewegungsimprovisationen
Raumklanginstallationen
Musik-Bild-Kombinationen
Kunstsprache Bühnenbilder
Requisiten
Masken
Ausstellungen
Dada, Happenings
Performances, Fluxus
Aktionen, Installationen
Filme, Video, Computerkunst

 
In der sechsten Klasse beginnt der Fachunterricht mit dem Erlernen und Trainieren des körpersprachlichen Unterrichts. Dann folgt der wortsprachliche Unterricht. Dadurch wird die Basis für die weiteren Jahre gelegt. Es können in den nächsten Schuljahren systematisch die anderen Bereiche hinzugezogen werden, wobei jeder Bereich einmal einen Schwerpunkt erhält. Tatsächlich sind die Bereiche jedoch miteinander verbunden. Es kann ebenfalls gleich zu Beginn projektorientiert gearbeitet werden. Das liegt im Ermessen der jeweiligen Lehrpersonen.
Wir setzen an den Unterrichtsanfang eine BBG-Bühnengrammatik, in der Grundkompetenzen vermittelt werden, auf die später zurückgegriffen werden kann. Wir unterscheiden dabei Übungen, die systematisch aufeinander aufbauen, und projektartige Unterrichtsreihen, die den jeweiligen Fachbereich zum Schwerpunkt machen. Diese verbinden verschiedene Kompetenzen miteinander und führen zu einer kleinen, in sich abgeschlossenen, künstlerischen Präsentation. Mit welchen Übungen die Lerngruppe trainiert wird, entscheidet die Lehrperson entsprechend ihrer Kompetenzen. Sowohl die Übungen als auch Vorschläge für kleine Unterrichtsreihen werden in einem Ordner gesammelt und den Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung gestellt. Die Reihenfolge folgt einer Logik, der man im praktischen Unterricht folgen kann, aber keinesfalls muss. Es handelt sich um eine Empfehlung, die jederzeit aus didaktischen Gründen der jeweiligen Lerngruppe angepasst werden kann. Dadurch kann die Reihenfolge verändert werden. Entscheidend ist, dass die jeweiligen gekennzeichneten Stichwörter am Ende des siebten Schuljahres verstanden werden und als praktische Kompetenzen abrufbar sind.


Leistungsüberprüfung:

In jedem der vier Fachbereiche werden der Lehrerin oder dem Lehrer jeweils zwei Unterrichtseinheiten zur Verfügung gestellt, welche verschiedene Kompetenzen aus vorangegangenen Übungen vereinen. Diese eignen sich zu einer Leistungsüberprüfung mit jeweils einem Schwerpunkt in einer Fachsprache. Jeweils eine Reihe ist für jüngere Schüler (Ende sechstes oder siebtes Schuljahr) geeignet. Die andere ist für ältere Schüler vorgesehen (8. oder 9. Schuljahr).
Andere, vergleichbare Leistungsüberprüfungen sind jederzeit möglich. Im zehnten Schuljahr ist eine große, möglichst selbstständige Abschlussproduktion vorgesehen.

Bereich 1: Körpersprache

Die Schülerinnen und Schüler sollen die Wirkung und die kommunikative Funktion von Körpersprache kennen lernen und bewusst einsetzen. Sie sollen den bewussten Einsatz der Körpersprache erlernen. Wir unterscheiden künstlerisch-ästhetische und persönliche Kompetenzen.
Die Lerninhalte sind: Körperhaltung, Bewegung, Mimik, Gestik. Die künstlerischen Gestaltungsmittel sind Reduktion und Übertreibung
Zu den persönlichen Kompetenzen gehört die Einübung in ein bewusstes Körpergefühl. Damit verbunden ist eine Sensibilisierung und Schulung der Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit.


Bereich 2: Wortsprache

Die Schülerinnen und Schüler sollen die Wirkung und die kommunikative Funktion von Sprache kennen lernen und bewusst einsetzen.
Die Lerninhalte sind: Laute, Silben, Wörter, Sätze, Texte. Die künstlerischen Gestaltungsmittel sind: gestaltendes Lesen, Sprechen, kreatives Schreiben.
Zu den persönlichen Kompetenzen gehören eine raumfüllende, klar artikulierte Sprache, und die Entwicklung von akustischer Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit.


Bereich 3: Bildsprache

Die Schülerinnen und Schüler sollen die Wirkung und die kommunikative Funktion von Bildern und Räumen kennen lernen und bewusst einsetzen.
Die Lerninhalte sind: Die unterschiedlichen Wirkungen von Körpern im Raum; das Komponieren von Bildern in der Fläche; das Komponieren von Bildern im Raum, zunächst statisch dann bewegt; Gestalten des Bühnenraumes mit Farbe oder Licht; Herstellen und Gestalten von Requisiten. Die Schülerinnen und Schüler sollen dabei materialgerechtes Arbeiten kennen lernen.
Die künstlerischen Gestaltungsmittel sind: Bilder stellen, Szenen stellen, Raumübungen, Farbe und Licht, Bilder und Plastiken erstellen.
Zu den persönlichen Kompetenzen gehört die Entwicklung von visueller Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit.


Bereich 4: Musiksprache

Die Schülerinnen und Schüler sollen die Wirkung und die kommunikative Funktion von Musik kennen lernen und bewusst einsetzen.
Die Lerninhalte sind: Atmung, Rhythmus und Tempo, Geräusche und Klänge, Töne und Melodien.
Die künstlerischen Gestaltungsmittel sind: Körper, Stimme, Gegenstände, Musikinstrumente, elektrische Tonerzeuger.
Zu den persönlichen Kompetenzen gehört die Entwicklung von akustischer und musikalischer Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit.


OL-Unterrichtsreihe : Publikumstraining

Diese Unterrichtsreihe soll allen Tutorinnen und Tutoren der BBG zur Verfügung gestellt werden. Wir versuchen damit praktisch auf das Verhalten des jungen Publikums bei Schüleraufführungen bzw. bei allen öffentlichen Aufführungen positiv einzuwirken. Wir verfolgen drei Ziele:

Ziel 1 Respektvolles Verhalten als Zuschauer erlernen.
Ziel 2 Rollenspiele als praktische Erfahrung
für alle zukünftigen Zuschauer durchführen.
Ziel 3   Ein brauchbares Regelwerk für den Zuschauerraum erstellen.
Alles soll differenziert, je nach Veranstaltungsform
(Theateraufführung, Abschlussfeier, Musikfeier, Karneval)
besprochen werden.