Berufswahlvorbereitung und Lebensplanung

 

Allgemeines

Die Verpflichtung zur Berufswahlvorbereitung der Schülerinnen und Schüler ist in der APO-SI, §8 (2), festgelegt:


Berufsorientierung ist eine verpflichtende Aufgabe der Schulen der Sekundarstufe I. Schülerinnen und Schüler sollen so gefördert werden, dass sie bei ihrer Berufswahl selbstständig und eigenverantwortlich entscheiden können. Dazu arbeiten die Schulen insbesondere mit den Berufskollegs und der Berufsberatung der Agentur für Arbeit zusammen.


Ausgehend von dieser gesetzlichen Verpflichtung haben wir in unserem Leitbild besonders hervorgehoben: „In unserer Schule soll für das Leben gelernt werden. Wir unterstützen unsere Schülerinnen und Schüler bei der persönlichen Lebensplanung und Berufsfindung.


Dabei stützen wir uns auch auf außerschulische Kooperationspartner.


Im Laufe dieses Prozesses sollen die Schülerinnen und Schüler folgende Kompetenzen erwerben:

  • Sie können selbstbestimmt über Fragen und Probleme der eigenen Lebensplanung nachdenken und Entscheidungen dazu treffen.
  • Sie verfügen über grundsätzliche Kenntnisse der Arbeits- und Berufswelt, um eigene Lebensentscheidungen verantwortlich und begründet vornehmen zu können.
  • Sie kennen Beratungs- und Informationsstrukturen, die sie zur Klärung solcher Fragen in Anspruch nehmen können.
  • Sie verfügen über die notwendigen Kompetenzen, um sich verantwortungsbewusst mit Fragen der Lebensplanung, Studien- und Berufsorientierung auseinandersetzen zu können.

Zur Erlangung dieser Kompetenzen hat die Bertolt-Brecht-Gesamtschule das im Folgenden dargestellte Berufswahlkonzept verfasst. Es orientiert sich inhaltlich an den gesetzlichen Vorgaben des Runderlasses zur Berufs- und Studienordnung.


Unterrichtliche Themenangebote

Die Wirtschafts-, Arbeits- und Berufswelt wird in der Sekundarstufe I in den Fächern Offenes Lernen (OL), Arbeitslehre Wirtschaft (AW) und Deutsch behandelt:

 

Wirtschaftslehre

Vermittlung grundlegender Kenntnisse der Arbeits- und Berufswelt

Offenes Lernen

Vorbereitung auf Fragen der Lebensplanung bezüglich
eigener Erwartungen und Fähigkeiten

Begleitung der Schülerbetriebspraktika in den Jahrgängen 8 und 9

Klärung von konkreten Fragen zur Berufsorientierung

Deutsch formale und inhaltliche Beherrschung der Textsorten „Lebenslauf“
und „Bewerbungsschreiben“

 

Die Schülerinnen und Schüler sollen am Ende des 9. Schuljahres genügend Kenntnisse erworben haben, um auf die Berufsorientierung in Klasse 10, die auf konkrete Festlegungen ausgerichtet ist, vorbereitet zu sein.

 

Weitere Angebote in Klasse 10

  • zweistündiger Kurs „Qualifizierte Berufsfindung“ für Schülerinnen und Schüler, die noch keine Berufsentscheidung getroffen haben und Unterstützung bei der Ausbildungsplatzsuche und der Zusammenstellung von Bewerbungsmappen benötigen.
  • Motivationstraining für Schülerinnen und Schüler, die in besonderer Weise Motivationsprobleme im unterrichtlichen Bereich wie auch bei der Berufsorientierung haben.
  • Informationsveranstaltung zu den Berufskollegs.

 

Projektangebote

Zentrale Elemente der Berufsorientierung sind das OL-Seminar im 1. Quartal des 9. Jahrgangs und das Pilotprojekt „Förderung der Ausbildungsreife“.

Das OL-Seminar

Das Seminar findet unter der Überschrift „Lebensplanung und Berufsorientierung“ in der vorletzten Woche vor den Herbstferien statt. Die Schülerinnen und Schüler wählen aus den angebotenen Projekten eines aus.

Folgende Projekte sind feste Bestandteile der Woche:

  • Erste Hilfe (Johanniter-Unfallhilfe)
  • Bewerbungstraining (AOK)
  • Betriebsbesichtigungen (DHL)
  • Bewerbungstraining mit Betriebsbesichtigung speziell für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund
  • Erlebnispädagogische Übungen zum Thema: „Das will ich! Das kann ich! Das mach ich!“ Theaterpädagogische Übungen zum Thema: „Selbstbewusst sich ausdrücken und sprechen“
  • Selbstbehauptungstraining für Jungen (Polizei-Sportverein)
  • Selbstbehauptungstraining für Mädchen (Polizei-Sportverein)
  • Sprache und Kultur in Oxford

Die Erfahrungen in der Projektwoche können zum Ausgangspunkt des vertieften Berufsorientierungsprozess genutzt werden.

Das zweieinhalbjährige Projekt „Förderung der Ausbildungsreife“ (Klasse 8–10)

Die Durchführung des Projekts obliegt der Jugendberufshilfe der Bundestadt Bonn in Kooperation mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Bonn, Vertreterinnen und Vertretern der Berufskollegs, dem Abteilungsleiter 9/10 sowie den Tutorinnen und Tutoren der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler.

Adressaten des Projekts sind Schülerinnen und Schüler, die nach Auffassung ihrer Tutorinnen und Tutoren im Hinblick auf Lebensplanung und Berufsorientierung kontinuierliche und langfristige Hilfe benötigen.

Diese Schülerinnen und Schüler werden am Ende des 1. Halbjahres der 8. Klasse benannt. Im 2. Halbjahr des Schuljahres beraten dann die Projektleitung und die Erziehungsberechtigten dieser Schülerinnen und Schüler in einem gemeinsamen Treffen über eine Zusammenarbeit. Die Teilnahme der Schülerinnen und Schüler ist freiwillig und kann nach Rücksprache mit der Projektleitung von den Erziehungsberechtigten widerrufen werden.

Ziel des Projekts ist, dass die Schülerinnen und Schüler am Ende des 10. Schuljahres einen ihren Fähigkeiten und Erwartungen entsprechenden Ausbildungsplatz oder einen Berufskollegplatz gefunden haben.

Das Projekt „Förderung der Ausbildungsreife“ im Überblick

Teilnahme am BUS-Projekt der Stadt Bonn (Anbindung an die St.-Hedwig-Hauptschule)

Das Beruf und Schule-Projekt (BUS-Projekt) der Stadt Bonn richtet sich speziell an Schülerinnen und Schüler, die die Versetzung in die Klasse 10 nicht geschafft haben und nach Meinung der Zeugniskonferenz wenig Aussicht haben, bei einer Wiederholung erfolgreicher abzuschneiden.

Das Projekt besitzt eine spezielle Ausrichtung: Einerseits hilft es den Schülerinnen und Schüler dabei, den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 zu erwerben, anderseits werden diese konzentriert auf eine Berufsausbildung vorbereitet. Dieser doppelten Aufgabe versucht das Projekt durch eine besondere Organisationsstruktur gerecht zu werden: Die Klasse besteht aus maximal 15 Schülerinnen und Schüler. Die Schülerinnen und Schüler haben eine Klassenlehrerin/ einen Klassenlehrer sowie eine Sozialpädagogin/ einen Sozialpädagogen zur festen Betreuung. Während sich die Lehrerin/ der Lehrer speziell um die rein unterrichtlichen Belange und den Abschluss kümmert, betreut die Sozialpädagogin/ der Sozialpädagoge den sozialen und berufsorientierenden Bereiche des Projekts. Zu Letzteren gehören feste Praktikumstage pro Woche sowie einzelne Langzeitpraktika mit dem fest vereinbarten Ziel der Berufsorientierung.

Die Schülerinnen und Schüler bleiben während der Teilnahme am Projekt der Stammschule zugeordnet. Sollten sie aufgrund mangelnder Kooperationsbereitschaft aus dem Projekt ausgeschlossen werden, kehren sie an die Stammschule zurück und werden in den Unterricht einer 9. Klasse eingegliedert.

 

Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit

Neben den außerschulischen Kooperationspartner spielt die Berufsberatung der Agentur für Arbeit eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die Berufswelt. Diese Kooperation ist gezielt in den schulischen Alltag eingebaut. Es lassen sich folgende vier Schwerpunkte unterscheiden:

  • Besuch der Schülerinnen und Schüler im Berufsinformationszentrum (BiZ)
  • Berufswahlvorbereitung in den Klassen
  • Einzelsprechzeiten für Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 9 und 10 in der Schule
  • Beratung „unversorgter“ Schülerinnen und Schüler am Ende der Klasse 10

 

Berufs- und Studienwahlvorbereitung in der Sekundarstufe II

Die in der SI begonnene Kooperation mit der Agentur für Arbeit setzt sich dann in der SII fort. Sie läuft nun unter dem Titel „Berufs- und Studienwahlvorbereitung“ und besteht aus regelmäßigen Sprechstundenangeboten und Veranstaltungen.

Diese finden vor allem in der Qualifikationsphase (Q1/Q2), aber auch – bei aktuellem Beratungsbedarf – in der Einführungsphase statt.

In der Einführungsphase geht es darum, Schülerinnen und Schülern eine berufsbezogene Alternative anzubieten, sofern diese merken, dass das Ziel „Abitur“ für sie entweder zu hoch gegriffen war oder aber sich nicht mehr mit ihren aktuellen Überlegungen vereinbaren lässt.

In der Qualifikationsphase werden diese Einzelsprechzeiten durch allgemeine Informationsveranstaltungen zur Berufs- und Studienwelt ergänzt. Sie liegen auf der Leistungskursschiene und erreichen somit alle Schülerinnen und Schüler.