Beratungskonzept


1. Präambel

 

Auf dem Weg von der Expertenhilfe zum Medium der Gestaltung unserer Schule
Vom „Jemand beraten“ zum „Sich miteinander beraten“.

 


Die Beratung an unserer Schule ist der Versuch, sich unterschiedliche Problemlösungs- und Gestaltungsressourcen zunutze zu machen. Ein Gestaltungsprozess mit folgenden Zielen:

 

  • Bestmögliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler unserer Schule, weitgehende Entfaltung ihrer besonderen Begabungen und Interessen, wie ihrer sozialen Verantwortlichkeit
  • Überwindung ihrer Benachteiligungen und daraus entstandener Defizite
  • Beratung soll daher dazu beitragen, die individuellen Möglichkeiten der Schülerinnen und Schüler zu erkennen und Ursachen für mögliche Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten aufzudecken.
  • Sie soll helfen, die Lern-, Forder- und Förderangebote unserer Gesamtschule und die Hilfen der außerschulischen Beratungsstellen gezielt wahrzunehmen.
  • Sie soll dabei unterstützen, geeignete Schullaufbahnen und spätere Ausbildungsmöglichkeiten herauszufinden.
  • Beratung soll allen an der Schule Beteiligten helfen, geeignete Formen der Kommunikation, Kooperation und Konfliktlösung zu entwickeln und anzuwenden.

 

2. Organisation und Koordination

Unabhängig vom allgemeinen Grundsatz, dass Beratung zu den Aufgaben aller Lehrerinnen und Lehrer gehört, haben folgende Personen, einen besonderen Beratungsauftrag:


Tutorinnen und Tutoren

Sie arbeiten möglichst als Zweierteam und sind in allen die Klasse betreffenden Fragen erste Ansprechpartner ihrer Schülerinnen und Schüler, der in der Klasse unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer, der Erziehungsberechtigten, des schulpsychologischen Dienstes sowie der Schulleitung.

Ihre Aufgabe ist es, die Erziehungs- und Bildungsarbeit in der Klasse unter Einbeziehung aller Unterrichtenden zu gestalten und zu koordinieren. Dazu gehört besonders, die Stärken und Schwächen ihrer Schülerinnen und Schüler zu entdecken und sie ihren Möglichkeiten gemäß zu fördern, bei Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten Maßnahmen zur Abhilfe zu entwickeln und ihre Anwendung zu koordinieren und gegebenenfalls weitere Beratungsträger einzubeziehen.


Beratungslehrerinnen und -lehrer

Die Beratungsarbeit an der Bertolt-Brecht-Gesamtschule wird in besonderer Weise unterstützt durch Beratungslehrerinnen und -lehrer. Sie sind den Abteilungen zugeordnet. Ihre Hauptaufgaben sind:

  • Beratung von Schülerinnen und Schüler, Erziehungsberechtigten und Lehrerinnen und Lehrer im Hinblick auf Maßnahmen zur Lösung von Verhaltensproblemen
  • Beratungen von Schülerinnen und Schüler mit individuellen Lernschwierigkeiten
  • Beratung von Lehrerinnen und Lehrer im Zusammenhang mitbesonderen pädagogischen Konzepten
  • Beratung von Lehrerinnen und Lehrer bei der Entwicklung schulischer Maßnahmen zur Förderung individueller Begabungen und Interessen
  • Zusammenarbeit mit Beratungsträgern und dem Stadtteilarbeitskreis

 

Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter

Die Abteilungsleitung ist verantwortlich für die schulrechtliche, organisatorische und pädagogische Arbeit in ihrer Abteilung. In Bezug auf Beratungsprozesse übt sie eine koordinierende Funktion aus. Insbesondere berät sie Schülerinnen und Schüler sowie Erziehungsberechtigte über die Bedingungen und Möglichkeiten einer geeigneten Schullaufbahn.


Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen

Die Beratungstätigkeit der Lehrerinnen und Lehrer wird unterstützt durch zwei Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen und eine Anerkennungsjahrpraktikantin. Sie arbeiten schwerpunktmäßig in den Jahrgängen 5/6 sowie 7/8 und 9/10.

Im Hinblick auf schulische Beratungsprozesse nehmen sie besonders folgende Aufgaben wahr:

  • Beratung von Schülerinnen und Schülern bei persönlichen und schulischen Problemen
  • Beratung von Erziehungsberechtigten in Fragen der Erziehung und bei familiären Problemen
  • Information und Beratung von Lehrerinnen und Lehrern, insbesondere Tutorinnen und Tutoren, in Fragen der Erziehung sowie den Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern
  • Information und Beratung der Lehrerinnen und Lehrer im Hinblick auf präventive pädagogische Maßnahmen
  • Entwicklung und Durchführung von über die Einzelberatung hinausgehenden pädagogischen Konzepten (z. B. Kleingruppentraining, Erlebnispädagogische Tage zu den Themen Teamtraining und soziale Kompetenzen).
  • Vermittlung von Kontakten zu außerschulischen Beratungsträgern, besonders zum Jugendamt, sozialen Dienst, psychologischen Beratungsstellen. Ein Hilfeangebot setzt grundsätzlich einen entsprechenden Wunsch von Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern oder außerschulischen Partnern voraus.

Die Beratungstätigkeit besteht in der Hauptsache in

  • Hospitation im Unterricht
  • Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern, Erziehungsberechtigten oder Lehrerinnen und Lehrern
  • Teilnahme an regelmäßigen Dienstbesprechungen mit der Abteilungsleitung und der Beratungslehrerin, (Beratungslehrer)
  • Teilnahme an allen abteilungsbezogenen Konferenzen und Dienstbesprechungen
  • Teilnahme an Klassenpflegschaftssitzungen (auf Wunsch)
  • Dienstbesprechungen mit der Didaktischen Leiterin
  • Mitarbeit in Gremien außerschulischer Beratungsträger auf Orts- und Kreisebene, besonders Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe

 

Didaktische Leitung

Ihre Aufgabe besteht in der allgemeinen Koordination der Beratung an der Schule. Sie ist verantwortlich für den Prozess der Erstellung eines Beratungskonzepts und für dessen Weiterentwicklung. Dazu gehört auch die Information und Beratung über Fortbildungsmöglichkeiten.


Beratungslehrerinnen und Beratungslehrer, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Abteilungsleiter und die didaktische Leitung arbeiten grundsätzlich im Team und koordinieren ihre Arbeit selbstständig.

 

3. Kooperationsregeln

  1. Berater sind gleichwertig, es gibt keine Hierarchie, ihre Beziehung ist eine grundsätzlich „konsultative“.
  2. Die Grenzen der Kooperation liegen in der Schweigepflicht des Beraters, die über die Dienstschweigepflicht hinausgeht. Sie findet ihre Begrenzung in der aktuellen Rechtsprechung.
  3. Die Tutorinnen und Tutoren einer Schülerin/ eines Schülers sind seine ersten Ansprechpartner.
  4. Tutorinnen und Tutoren können sich über Schülerinnen und Schüler mit Sozialpädagogen oder Beratungslehrerinnen und -lehrern beraten.
  5. Tutorinnen und Tutoren können Schülerinnen und Schüler an eine Beratungsinstanz dirigieren; Schülerinnen und Schüler können Berater aus eigenem Antrieb aufsuchen.
  6. Schülerinnen und Schüler sollen den Beratungsprozess möglichst freiwillig beginnen, aber immer freiwillig fortsetzen.
  7. Der Schülerin/ dem Schüler wird nach erfolgter Beratung eine Bescheinigung über seine Anwesenheit ausgestellt.
  8. Die Kontaktpflege zu außerschulischen Beratern erfolgt durch die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen.
  9. In der Zusammenarbeit mit außerschulischen Dienststellen ist ein einführendes Gespräch mit allen beteiligten Beratern erwünscht.
  10. Sind mehrere Berater an einer Einzelberatung beteiligt, so gestalten diese selbst ihre Zusammenarbeit nach den Bedürfnissen der Schülerin/ des Schülers; das Ziel soll jedoch sein, Beratung in „einer Hand“ stattfinden zu lassen.
  11. Kontrakte, die aus Beratungsprozessen entstehen, sollen möglichst so gefasst sein, dass sie transparent allen Kontaktpersonen der Schülerin/ des Schülers zugänglich sein können.
  12. Das Beratungsteam stellt in regelmäßigen Abständen auf der Lehrerkonferenz den Entwicklungsstand des Beratungskonzepts vor. Das Kollegium ist aufgefordert, entwickelnd und evaluierend mitzuwirken.
  13. Das Kollegium wird im Info-Brief über die laufende Arbeit informiert.
  14. Neuen Kolleginnen und Kollegen wird das Beratungskonzept vorgestellt.

4. Leitfaden zu einer Zielvereinbarung

  • Was ist eine „Zielvereinbarung“?

Zielvereinbarungen sind eine Art schriftlicher Vertrag zwischen Schülerinnen und Schüler, Klassenleitungen, Abteilungsleitung, Erziehungsberechtigten und Beraterin/ Berater. Dieser Vertrag wird als Hilfsmittel innerhalb einer pädagogischen Konferenz (ehemals Klassenkonferenz) eingesetzt.
Die Zielvereinbarungen sollen Schülerinnen und Schüler unterstützen, welche problematische Verhaltensweisen innerhalb und außerhalb des Schulunterrichts zeigen, damit wieder eine ungestörte Lern- und Lehratmosphäre entstehen kann.
Eine Zielvereinbarung soll klären, welche persönlichen und realistischen Ziele von der betroffenen Schülerin/ dem betroffenen Schüler erreicht werden sollen. Diese Ziele werden verbindlich benannt und das Erreichen überprüft.
Zur Erreichung können verschiedene pädagogische Hilfsangebote gemacht werden, z. B. in Form von regelmäßiger Beratung durch ein Mitglied des Beratungsteams.

  • Wie benutzen wir eine „ Zielvereinbarung“, um Ordnungsmaßnahmen zu vermeiden?

Wenn eine „Zielvereinbarung“ mit einer Schülerin/ einem Schüler getroffen werden soll, muss im Vorfeld immer eine Abklärung der Situation zwischen Abteilungsleitung und Klassenleitung stattfinden. Die frühzeitige Einbindung des Beratungsteams ist wünschenswert und sinnvoll.

  • Was ist notwendig, damit eine ungestörte Lernatmosphäre entsteht?

Die gewünschten Ziele werden von den Klassenleitungen ausgearbeitet und priorisiert.
Zur Abstimmung und Überprüfung werden die Zielvereinbarungen vor der pädagogischen Konferenz der Abteilungsleitung und einem Mitglied des Beratungsteams vorgelegt.

  • Wie kann die Verbindlichkeit der Zielvereinbarung unterstützt werden?

Die Schülerin/ der Schüler vereinbart mit Hilfe eines Mitglieds des Beratungsteams, welche Ziele sie/ er zuerst angehen will.
Die Vereinbarung wird bei einer pädagogischen Konferenz in Gegenwart von Abteilungsleitung, Erziehungsberechtigten und den jeweiligen Lehrerinnen und Lehrer schriftlich festgehalten und von allen Beteiligten unterschrieben.

  • Wann wird kontrolliert, ob die Ziele erreicht wurden?

Für die Überprüfung der Einhaltung wird ein zeitlicher Rahmen von ca. 3 Monaten gesetzt. Danach findet ein neues Treffen aller Beteiligten statt, bei dem geklärt wird, ob die vereinbarten Ziele erreicht wurden.

  • Wie wird die Schülerin/ der Schüler in dieser Zeit unterstützt?

Während dieser Zeit findet eine Betreuung durch ein Mitglied des Beratungsteams statt.