„Ich will erzählen um zu warnen“- Eine Überlebende des Holocaust zu Besuch in der BBG

Am 6. Juni 2018 besuchte mit Henriette Kretz eine Zeitzeugin des Holocaust die BBG und erzählte den Schülern und Schülerinnen der Einführungsphase aus ihrem bewegten Leben.

Zeitzeugin Henriette Kretz - 01

Henriette Kretz zeigte den Schülern und Schülerinnen Bilder ihrer Verwandten aus der Ukraine: Außer ihr selbst überlebte nur ein Onkel. Alle anderen wurden von den Nationalsozialisten ermordet.

Das Zeitzeugengespräch in der Mensa, in dem Frau Kretz erzählte, wie sie den nationalsozialistischen Terror überlebte, fand unter der Federführung der Friedrich-Ebert-Stiftung und des Deutsch-Russischen Jugendparlaments statt. Professor Friedhelm Boll betonte, dass nur noch wenige Zeitzeugen leben und diese hochbetagt sind und Unterstützung brauchen. Diese Hilfe nahm Frau Kretz nur in geringem Maße in Anspruch: Die 84-Jährige strahlte Lebendigkeit, Lebensfreude und Präsenz aus. Zwei Stunden nur an einen Tisch gelehnt erzählte sie den Schülern und Schülerinnen der EF ihr Leben und wollte gar nicht aufhören.

Geboren wurde Frau Kretz in Lemberg in der heutigen Ukraine. In Iwaniska, wo ihr Vater eine Stelle als Chirurg bekam, erlebte sie glückliche Kindertage: „Ich hatte alles, was ein Kind braucht um glücklich zu sein. Dieses Glück wurde durch den deutschen Einmarsch jäh zerstört: Sie war fünf Jahre alt, als sie von SS-Soldaten abgeführt wurden. Frau Kretz erinnert sich vor allem an die Scham, die sie als Kind empfand als sie wie Verbrecher abgeführt wurden. Es folgt eine Odyssee von Lageraufenthalten, Flucht und Verstecken. „Die polnischen Menschen, die uns versteckten und damit ihr Leben riskierten, sind für mich Helden.“ Das Versteck der Familie wurde leider –genau wie bei Anne Frank- verraten. Als die Familie dann erneut abgeführt wurde, sagte Henriettes Vater zu dem SS-Mann: „Ich gehe nicht weiter“ und zu seiner Tochter rief er: „Lauf!“. Die achtjährige Henriette lief und hörte einen Schuss und einen Schrei und dann wieder einen Schuss. „Da wusste ich, dass ich Waise war“, sagte die 84-Jährige und die Erschütterung der Zuhörer in der Mensa war in der atemlosen Stille zu spüren. Als Waise überlebte Henriette Kretz in einem polnischen Waisenhaus, wo katholische Schwestern sie bis zum Ende des Krieges versteckten.

Am Ende appellierte Frau Kretz noch einmal eindringlich an die Zuhörer: „Das ist nicht vorbei. So etwas geschieht heute in vielen Ländern der Erde und kann auch hier immer wieder geschehen.“

Zeitzeugin Henriette Kretz - 02

Zeitzeugin Henriette Kretz - 03

Zeitzeugin Henriette Kretz - 04