Blackfacing im Jungen Theater Bonn

Wir, die Klasse 7.3, besuchte am 8.11.2018 gemeinsamen mit unseren Lehrerinnen Frau Krause und Frau Adesokan das Junge Theater in Bonn-Beuel. Wir sahen die Inszenierung des Jugendromans „Löcher- die Geheimnisse von Green Lake“, das wir im Deutschunterricht lesen. Bereits in Klasse 5 und 6 waren wir im JTB und es hat uns jedes Mal super gefallen. Diesmal waren wir besonders gespannt, da zwei Jungs aus unserer Schule (Jari und Alexander aus der 9.6) als Darsteller in dem Stück zu sehen sind.

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Es war viel Action auf der Bühne und wir schauten gebannt zu. Dann kam es zu einer Szene, die uns aufschrecken ließ. Einem weißen Darsteller wurde Farbe ins Gesicht gemalt, um ihn in den dunkelhäutigen „Zwiebel-Sam“ zu verwandeln. Als wir hinterher über das Stück sprachen, kamen wir schnell genau darauf zu sprechen. Auch Frau Adesokan schilderte uns ihre persönliche Wahrnehmung des „Blackfacings“. Wir waren uns einig: das Anmalen ist nicht ok! Eine Hautfarbe kann man nicht einfach anmalen oder abwaschen, deshalb empfanden viele von uns diese Szene als diskriminierend.

Wir beschlossen eine E-Mail an Herrn Seibert, dem Intendanten des JTBs, zu schreiben, um ihm unsere Meinung mitzuteilen. Prompt erhielten wir eine ausführliche Antwort mit dem Angebot, dass Herr Seibert in der BBG kommt, um sich unsere Argumente persönlich anzuhören. Wir waren von der Idee begeistert und so fand am 10.12.2018 eine zweistündige Diskussionsrunde in unserem Klassenraum statt.

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Frau Ziaja nahm ebenfalls mit ihrer Klasse 1.2 teil, denn sowohl in der Internationalen Klasse als auch in ihrer AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ war die Frage nach dem „Blackfacing“ inzwischen intensiv diskutiert worden.

Fiona und Pascale moderierten die Diskussion und weitere Schüler erstellen die Rednerliste, machten den Zeitwächter und sorgten für die Einhaltung der Gesprächsregeln. Gebannt lauschten wir den Ausführungen von Herrn Seibert, der direkt zu Beginn von Wadir mit der Frage: „Sind Sie sich bewusst, dass diese Szene diskriminieren könnte?“ konfrontiert wurde.

Herr Seibert setzte sich sehr ernsthaft mit dieser und unseren zahlreichen weiteren Fragen, die wir in Gruppen vorbereitet hatten, auseinander. Er wollte verstehen, warum wir diese Szene als rassistisch werten. Dafür stellte er uns auch Gegenfragen: „Würde eine Perücke die gleiche Wirkung ausüben?“ Frau Ziaja machte deutlich, dass es Rassismus nicht in weniger oder mehr gibt, sondern dass es trotz langfristiger Organisation und weniger Bewerber, trotzdem Aufgabe des Theaters sein muss, für dunkelhäutige Rollen auch dunkelhäutige Schauspieler zu finden.

Herr Seibert hörte interessiert zu und schilderte seine Überraschung nach Erhalt unserer E-Mail. Das Stück liefe schon in der dritten Spielzeit, es gäbe zahlreiche dunkelhäutige Mitarbeiter und Zuschauer, aber bisher habe es keine negativen Rückmeldungen gegeben. Dennoch sei er bereit einzulenken, denn er wolle niemanden diskriminieren. Die fragwürdige Szene wird er aus der Inszenierung herausnehmen und künftig – da auch Grundsatzentscheidungen an dieser Frage hängen – unsere Argumentation im Blick behalten.

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Es blieb sogar noch Zeit zu fragen, wie man es als Jugendlicher auf die Bühne des JTBs schaffen kann und ob Herr Seibert sich schon immer fürs Theater interessiert hat. Als Kind war er mit dem Sohn des Gründers des „GRIPS-Theaters“ befreundet und somit war die Antwort eindeutig: „Ja, schon immer.“

Wir waren uns hinterher einig: das war für alle ein ganz besonders tolles Erlebnis! Wir fühlten uns sehr ernst genommen und wertgeschätzt. Und im Deutschunterricht kann man sogar was lernen. Besonders stolz waren unsere Lehrerinnen auf uns, wie einfühlsam und differenziert wir uns trotz der großen Aufregung präsentiert haben.